Die Ausbildung in Akzeptanz- und Commitment-Coaching (ACC) bietet eine Einführung in die Prinzipien und Techniken der ACT, die von dem US-amerikanischen Psychologen Steven C. Hayes u.a. auf den Grundlagen der Verhaltenstherapie entwickelt wurde. Das Ziel besteht darin, Achtsamkeit und Sinnorientierung in den Coachingprozess zu integrieren, sodass die Ausrichtung des Handelns auf selbstgewählte Werte im Mittelpunkt steht.
ACC nutzt verschiedene Ansätze der ACT, um Coachees dabei zu unterstützen, im Umgang mit eigenen Gedanken und Gefühlen neue Perspektiven einzunehmen. Dabei spielt die Bezugsrahmentheorie (Relational Frame Theory, RFT) eine wichtige Rolle, in der die Auswirkung von Sprache auf emotionale Prozesse betrachtet wird. Ebenso richtet sich ACC am Konzept des funktionalen Kontextualismus aus: Um Verhalten zu verstehen und verändern zu können, ist der Kontext zu berücksichtigen, in dem es stattfindet.
Gerade im Coaching-Kontext eröffnet ACC den Coachees die Möglichkeit, trotz innerer Hürden oder externer Herausforderungen handlungsfähig zu bleiben – im Einklang mit ihren zentralen Werten und Zielen.
Ein wesentlicher Bestandteil der Ausbildung ist die Verbindung von ACT-Methoden mit den bereits erlernten Tools und Methoden des systemischen Coachings. Hinzu kommen Tools aus dem somatischen Coaching, die die Wertearbeit für Coachees körperlich erfahrbar machen und so eine nachhaltige Lösungsfindung ermöglichen.
Was ist ACT?
Die Akzeptanz- und Commitment-Therapie unterstützt Menschen dabei, mit Unsicherheit, Selbstzweifeln oder innerem Druck umzugehen und handlungsfähig zu bleiben. Im Mittelpunkt stehen Achtsamkeit, Akzeptanz und persönliche Werte.
Wenn gewohnte Verhaltensmuster nicht mehr stimmig erscheinen, neue aber noch nicht gefunden wurden, kann die Akzeptanz- und Commitment-Therapie, kurz ACT, auch für Coachingprozesse wichtige Impulse geben.
Während unser Artikel Was ist ACT? die Grundlagen von ACT erklärt, richtet dieser Beitrag den Blick auf die Anwendung im Coaching: Wie kann die Arbeit mit Achtsamkeit, Akzeptanz und Werten Veränderung bei Coachees bewirken?
Coaching bleibt Coaching
Im Coaching wird ACT nicht als Therapieform angewendet. Es geht um die persönliche Entwicklung, Selbstreflexion und Handlungsfähigkeit der Coachees, wobei Coaches sich ihrer Rolle stets bewusst sind: Der oder die Coach verantwortet Struktur und Prozess, während Coachee die Hoheit über eigene Themen und Lösungen behält.
Für den Coachingkontext bedeutet das: Coachees kommen in Kontakt mit inneren Mustern und entwickeln einen Abstand zu unwillkürlichen Gedanken oder Bewertungen. Das bewusste Erkennen persönlicher Werte erweitert den Blick und motiviert dazu, erste Schritte in ein neues Verhalten zu versuchen, um dann zu prüfen, ob die Auswirkungen dieses neuen Schrittes dem gewünschten Ziel entsprechen.
So kann ACC systemisches Coaching sinnvoll ergänzen.

Psychologische Flexibilität: Der zentrale Wirkfaktor
Psychologische Flexibilität ist ein Kernbegriff der ACT. Aber auch im Coachingkontext ist er relevant, weil viele Veränderungsanliegen genau dort ansetzen: Menschen möchten anders handeln, wissen aber nicht, wie.
Was psychologische Flexibilität im Alltag bedeutet
Psychologische Flexibilität zeigt sich zum Beispiel, wenn jemand:
- Zweifel wahrnimmt und gleichzeitig zu einer werteorientierten Entscheidung findet.
- Angst spürt und dennoch einen nächsten Schritt in die gewünschte Richtung geht.
- Kritik nicht mit einem persönlichen Angriff verwechselt.
- innere Anspannung bemerkt, ohne impulsiv reagieren zu müssen.
So wird selbstbestimmtes Handeln möglich, auch während Gedanken oder Gefühle als unangenehm erlebt werden.

Achtsamkeit im Coaching: Wahrnehmen statt vorschnell reagieren
Achtsamkeit wird häufig mit Ruhe, Entspannung oder Meditation in Verbindung gebracht. Im Kontext der Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT) beschreibt Achtsamkeit jedoch vor allem ein bewusstes, offenes Gewahrsein des gegenwärtigen Augenblicks.
Im Akzeptanz- und Commitment-Coaching unterstützt Achtsamkeit dabei, innere Prozesse aus einer wertfreien und neugierigen Haltung heraus wahrzunehmen. Die bewusste Unterscheidung zwischen Gedanken, Gefühlen und dem beobachtenden Selbst ermöglicht es, das eigene Erleben zu beschreiben, ohne es unmittelbar zu bewerten oder sich von ihm leiten zu lassen. Dadurch entsteht psychologische Flexibilität: Coachees gewinnen Abstand zu belastenden Gedanken und Emotionen und entwickeln neue Handlungsmöglichkeiten.
Der Moment zwischen Reiz und Reaktion
In Coachingprozessen führt der gängige Weg schnell vom Problemerleben hin zu einer Lösung – von einer unerwünschten Ist-Situation zu einer erwünschten Soll-Situation. Akzeptanz- und Commitment-Coaching setzt bewusst einen Schritt früher an: am sogenannten Punkt der Entscheidung.
Dieser Moment beschreibt das bewusste Wahrnehmen der Situation, wie sie sich im Hier und Jetzt zeigt – einschließlich aller Gedanken, Gefühle und körperlichen Reaktionen, die damit verbunden sind. Erst durch dieses Innehalten wird es möglich, gewohnte Reaktionsmuster zu erkennen und bewusst zu hinterfragen.
Dem oft unwillkürlichen Impuls, unangenehme Gefühle zu vermeiden oder zu kontrollieren, wird die orientierende Kraft persönlicher Werte gegenübergestellt. Statt ausschließlich auf kurzfristige Entlastung zu reagieren, können Coachees entscheiden, welcher nächste Schritt ihren Werten entspricht und sie langfristig in die gewünschte Richtung führt.

Akzeptanz: Der oft missverstandene Schlüssel
Akzeptanz gehört zu den wichtigsten und zugleich am häufigsten missverstandenen Begriffen. In ACC ist damit die Bereitschaft gemeint, innere Erfahrungen wahrzunehmen als das, was sie sind: Gedanken oder Gefühle, und sie zu akzeptieren, ohne sofort Handlungsoptionen abzuleiten.
Im Coaching kann diese Haltung neue Handlungsspielräume eröffnen. Wer Angst, Zweifel oder Unsicherheit nicht länger als Hindernis betrachtet, sondern als Teil menschlichen Erlebens akzeptiert, kann bewusster entscheiden, welcher nächste Schritt den eigenen Werten entspricht.

Wertearbeit im Coaching: Orientierung statt Optimierung
Während Akzeptanz den inneren Raum erweitert, geben Werte eine Richtung. Wertearbeit ist deshalb ein zentraler Bestandteil im Akzeptanz- und Commitment-Coaching.
Werte helfen nicht nur bei der Frage, was man tun möchte, sondern auch wie:
Wie möchte ich handeln? Wofür möchte ich stehen? Was soll in meinem Leben oder meiner Arbeit spürbar werden?
Werte sind keine Ziele
Eine wichtige Unterscheidung lautet: Ziele geben dem Handeln eine Richtung, Werte geben eine Qualität.
Ein Ziel könnte sein, eine neue berufliche Position zu übernehmen. Ein dahinterliegender Wert könnte Entwicklung, Verantwortung oder Wirksamkeit sein.
Ein anderes Ziel könnte sein, gelassener zu führen. Dahinter könnten Werte wie Klarheit, Vertrauen oder Verbundenheit stehen.
Diese Unterscheidung ist entscheidend, weil Werte als Handlungsmotivatoren dem Erreichen eines Ziels zugrunde liegen.
Typische Fragen in der Wertearbeit
Im Coaching können zum Beispiel folgende Fragen hilfreich sein:
- Was ist Dir in dieser Situation wirklich wichtig?
- Woran würdest Du merken, dass Du nach Deinen Werten lebst?
- Welche Haltung möchtest Du in dieser Situation verkörpern?
- Was wäre ein nächster Schritt, der zu diesem Wert passt?
- Welcher Wert bekommt aktuell noch nicht genug Raum?
Wertearbeit unterstützt Coachees dabei, individuelle und stimmige Entscheidungen zu entwickeln.

Commitment: Vom Verstehen ins Handeln
Viele Menschen wissen sehr gut, was sie verändern möchten. Der schwierigere Schritt ist häufig die Umsetzung. Genau hier setzt Commitment an.
Commitment beschreibt die Entscheidung, das eigene Verhalten bewusst an den eigenen Werten auszurichten.
Kleine Schritte statt perfekter Veränderung
Commitment zeigt sich häufig nicht durch große Veränderungen, sondern durch kleine, bewusste Schritte. Entscheidend ist nicht die Größe des nächsten Schrittes, sondern seine Ausrichtung: Passt das Verhalten zu den eigenen Werten und der gewünschten Entwicklungsrichtung?
Veränderung entsteht dabei oft weniger durch einzelne große Erkenntnisse als durch wiederholtes Handeln in eine selbst gewählte Richtung.

Integration von ACT in den Coachingprozess
Die Methoden von ACT werden im Coaching besonders dann wirksam, wenn sie in den gesamten Coachingprozess integriert werden.
Die zentralen Elemente greifen ineinander:
- Achtsamkeit unterstützt die Selbstwahrnehmung.
- Akzeptanz reduziert den Kampf gegen unerwünschtes inneres Erleben.
- Defusion schafft Abstand zu belastenden Gedanken oder Gefühlen
- Wertearbeit gibt Orientierung und Motivation.
- Commitment übersetzt Motivation in Handlung.
So entsteht ein Prozess, in dem Coachees nicht nur über Veränderung sprechen, sondern neue Formen des Umgangs mit sich selbst erproben können.
Typische Einsatzfelder im Coaching
Akzeptanz- und Commitment-Coaching kann besonders hilfreich sein, wenn Menschen wider besseren Wissens immer wieder in unerwünschte Verhaltensmuster zurückfallen.
Auch bei beruflicher Neuorientierung, Entscheidungsdruck, Selbstzweifeln oder inneren Blockaden kann ein Coaching unter ACC-Gesichtspunkten relevant sein. In Führungskontexten, in Veränderungsprozessen oder bei Rollenkonflikten kann ACC hilfreiche Orientierung geben.
Wichtig bleibt dabei die klare Abgrenzung: Coaching unterstützt Entwicklung, Selbststeuerung und Reflexion. Es ersetzt keine Psychotherapie.

ACT im Coaching lernen: Der Ansatz am INeKO Institut
Die professionelle Anwendung von ACT-Methoden im Coaching erfordert mehr als das Kennen einzelner Übungen. Entscheidend sind ein fundiertes Verständnis der zugrunde liegenden Prozesse, eine klare Coachinghaltung und die Fähigkeit, ACC sinnvoll in bestehende Coachingkompetenzen zu integrieren.
In der Weiterbildung Akzeptanz- und Commitment-Coaching (ACC) am INeKO Institut steht genau diese Übertragung in den Coachingkontext im Mittelpunkt.
Inhalte der Weiterbildung
Die Weiterbildung verbindet theoretische Grundlagen mit praxisnaher Anwendung. Im Fokus stehen Achtsamkeit als Grundlage bewusster Selbstwahrnehmung, Akzeptanz im Umgang mit schwierigen Gedanken und Gefühlen, Wertearbeit als Orientierung für Veränderung und Commitment als Schritt in wirksames Handeln. Ergänzend werden Modelle wie Hexaflex und die ACT Matrix genutzt, um ACT fundiert in professionelle Coachingprozesse zu integrieren.
Die Weiterbildung richtet sich an ausgebildete Coaches, die ihre Arbeit um einen evidenzbasierten, achtsamkeits- und werteorientierten Ansatz erweitern möchten.

Fazit: Veränderung beginnt im Umgang mit dem, was schon da ist
Akzeptanz- und Commitment-Coaching zeigt, dass Veränderung dort beginnt, wo Menschen ihr Erleben bewusster wahrnehmen, Abstand gewinnen und sich an dem orientieren können, was ihnen wirklich wichtig ist.
So wird Coaching zu einem Raum, in dem nicht nur Ziele formuliert werden, sondern neue Handlungsmöglichkeiten entstehen – Schritt für Schritt und im Einklang mit den eigenen Werten.

