Das Genogramm ist eine Methode mit Anwendung in der psychosozialen Beratung, dem systemischen Coaching, in der Supervision und beim Arbeiten mit Gruppen. Es handelt sich um eine visuelle Darstellung mehrgenerationaler Familienstrukturen, die einem Stammbaum ähnelt. Zusätzlich lassen sich in einem Genogramm Beziehungsmuster zwischen den Mitgliedern abbilden.
Üblicherweise umfasst ein Genogramm Informationen über drei Generationen (Großeltern, Eltern, Kindergeneration), sowie qualitative Angaben über die vorhandenen Beziehungen zwischen den einzelnen Personen. Neben familiären Konstellationen können auch Strukturen und Beziehungsmuster anderer sozialer Systeme (Mitarbeitende eines Unternehmens/Mitglieder in Freundeskreisen) abgebildet werden.
Üblicherweise werden zuerst wichtige Lebensereignisse der Indexperson (Krankheiten, Operationen, Traumata, Umzüge, Schul-/Berufswechsel) erfasst. Darauf aufbauend wird das Genogramm um weitere Personen ergänzt. Innerhalb eines Genogramms symbolisieren Beziehungslinien die Qualität der Beziehungen zu anderen Systemmitgliedern. Die Linien können abhängig von Intensität und Qualität der Beziehung unterschiedlich gestaltet werden (gutes Verhältnis/emotionale Nähe: doppelte Linie; gespanntes/negatives Verhältnis: Zickzacklinie).
Zudem lassen sich in einem Genogramm Angaben zu Geburts- und Todesdaten, Krankheiten, Religionen und Berufen der Systemmitglieder dokumentieren.
Die Grundlage des Genogramms ist Murray Bowens systemische Familientheorie (1978). In dieser wird die Annahme vertreten, dass innerhalb von Familiensystemen bestimmte Muster, Themen und Verhaltensweisen über Generationen hinweg immer wieder auftreten.
Durch die Analyse des Genogramms können systeminterne Glaubenssätze, wiederkehrende Themen und kritische Lebensereignisse der Systemmitglieder aufgedeckt werden, die einen Einfluss auf das Coaching-/Beratungsthema der Indexperson haben.
Darüber hinaus eignet es sich, um Verhalten und Reaktionen in Gegenwart anderer Systemmitglieder zu erkennen und zu verstehen, um neue Verhaltensweisen basierend auf den Erkenntnissen der Genogramm-Arbeit zu entwickeln, Verständnis gegenüber sich Selbst und der eigenen Entwicklung aufzubauen, sowie Familienkonflikte anzugehen.
Vergleiche Literatur:
Hickey, B. (2024). Wie die Familie unser Leben bestimmt–Genogramm und systemische Aufstellungen. Carl-Auer Verlag.
John, F. (2019). 66 Methoden der individualpsychologischen Beratung. Waxmann Verlag.
Rohr, D. (2023). Von 40 Grundhaltungen und Interventionen zu 10 Prinzipien von Beratung: Ergebnisse eines 15-jährigen empirischen Beratungsforschungsprojektes. Carl-Auer Verlag.