Eine Ausbildung zum Mediator / zur Mediatorin vermittelt weit mehr als Methoden zur Konfliktlösung. In einer professionellen Mediationsausbildung geht es um spezifisches Fachwissen, eine mediative Haltung und zentrale Schlüsselkompetenzen, die Menschen dabei unterstützen, Konflikte strukturiert, allparteilich und lösungsorientiert zu begleiten.

Die Grundlage dafür bilden gesetzlich definierte Ausbildungsinhalte sowie Standards, die von Fachverbänden entwickelt wurden. Da uns als universitär aufgestelltem Institut die Ausbildungsqualität besonders am Herzen liegt, evaluieren wir die Kompetenzentwicklung in unserer Mediationsausbildung schon seit über 10 Jahren wissenschaftlich fundiert mit einer sogenannten Prä-Post-Messung.

In diesem Artikel fassen wir unsere Methode und die wichtigsten Erkenntnisse zusammen. Außerdem zeigen wir, welche Schlüsselkompetenzen Teilnehmende in unserer Mediationsausbildung entwickeln und warum diese Kompetenzen weit über die reine Konfliktvermittlung hinaus bedeutsam sind.

Die_Mediationsausbildung_Der_Rahmen

Die Mediationsausbildung: Der Rahmen

Eine Mediationsausbildung unterliegt in Deutschland klaren gesetzlichen Vorgaben. Wer sich für eine Ausbildung entscheidet, die den Weg zum_zur zertifizierten Mediator_in nach §5 Mediationsgesetz ermöglicht, absolviert eine Weiterbildung, die durch rechtliche Bestimmungen geregelt ist.

Zusätzlich definieren Fachverbände Standards für Mediationsausbildungen. Diese sind besonders dann von Bedeutung, wenn sich Teilnehmende bei einem solchen Verband lizenzieren lassen möchten. Dadurch entsteht eine gewisse Vergleichbarkeit der Angebote. Gleichzeitig verpflichtet dies Ausbildungsinstitute nicht automatisch dazu, weitergehende Qualitätskontrollen ihrer Ausbildungen durchzuführen.

In der Mediationsausbildung am INeKO sind sowohl die gesetzlichen Regelungen als auch die Verbandsstandards erfüllt beziehungsweise über die Standards hinausgehend integriert. Durch unsere, unseres Wissens nach, einzigartige Evaluation wird messbar gemacht, ob und welche Kompetenzen unsere Teilnehmenden tatsächlich erwerben.

Inhaltlich entscheidend ist jedoch nicht nur, ob eine Ausbildung formale Anforderungen erfüllt, sondern auch, ob sie tatsächlich die Kompetenzen fördert, die professionelle Mediator_innen in der Praxis brauchen.

Du möchtest mehr über gesetzliche und verbandliche Standards der Mediationsausbildung erfahren? Dann empfehlen wir Dir unseren Beitrag zu den gesetzlichen Vorgaben der Mediationsausbildung.

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Die Methode: Messung der Konfliktlösekompetenzen

Um die Wirksamkeit der Mediationsausbildung zu untersuchen, wird die Kompetenzentwicklung kontinuierlich anhand wissenschaftlicher Standards erfasst. Die Teilnehmenden werden zu Beginn und am Ende ihrer Mediationsausbildung nach ihrer Konfliktlösekompetenz befragt, um deren Entwicklung zu messen.

Die Forschenden erfassen dabei zentrale Fähigkeiten, die für die Durchführung einer Mediation essenziell sind. Dazu gehören Beratungsfähigkeit, Beziehungsmanagement, Integrationsfähigkeit, Kommunikationsfähigkeit, Konfliktlösefähigkeit und Verständnisbereitschaft.

Neben der kontinuierlich laufenden quantitativen Erhebung werden regelmäßig, zum Beispiel über psychologische Abschlussarbeiten, auch qualitative Forschungsdesigns realisiert. So wird nicht nur die Kompetenzentwicklung in der Mediationsausbildung generell ermittelt. Es werden auch persönliche Erfahrungen und individuelle Entwicklungen sichtbar gemacht.

Die erfassten Schlüsselkompetenzen im Detail

Die Evaluation betrachtet sechs zentrale Kompetenzbereiche, die für professionelle Mediation besonders relevant sind:

  1. Beratungsfähigkeit
    Um als Vermittler_in auf einer echten Vertrauensbasis hilfreich wirken zu können, braucht es die Fähigkeit, Personen oder Personengruppen in ihrer Bereitschaft zu selbstorganisiertem Handeln zu fördern und zur selbstständigen Lösung anzuregen.
  2. Beziehungsmanagement
    Als Mediator_in sollte ein gewisser Grad an diplomatischem Geschick erlernt werden, um die Vielzahl an momentanen Beziehungen, etwa zu den in den Konflikt verstrickten Parteien, stabil gestalten zu können. Dazu gehört auch, zwischen unterschiedlichen Interessen oder Interessengruppen mit dem Ziel einer gemeinsamen Lösungsfindung zu vermitteln.
  3. Integrationsfähigkeit
    In diesem Punkt steckt eine besonders bedeutsame Kompetenz des_der Mediator_in: die Fähigkeit zur Empathie. Nur wer sich in unterschiedliche Perspektiven, Bedürfnisse und Motive hineinversetzen kann, kann zu einem zielorientierten Zusammenführen unterschiedlicher Bestrebungen, Interessen und Handlungen beitragen.
  4. Kommunikationsfähigkeit
    Zu den Grundlagen der Mediation zählen für Mediator_innen außerdem kommunikative Kompetenzen. Mediator_innen müssen in der Lage sein, Kontakte schnell und nachhaltig zu knüpfen und aktiv zuzuhören. Dazu zählen auch rhetorische Fähigkeiten, sprachliche Präzision und ein gewisses Verhandlungsgeschick.
  5. Konfliktlösefähigkeit
    Um Konfliktsituationen lösen zu können, braucht es außerdem Selbstreflexion und Toleranz. Dazu gehört, andere Interessen unvoreingenommen zu prüfen und durch ein sicheres Auftreten sowie ein strukturiertes Vorgehen Widerstände und Blockaden auflösen zu können.
  6. Verständnisbereitschaft
    Um professionell durch die Phasen der Mediation leiten zu können, sollten Mediator_innen eine Sensibilität für andere Werte und Verhaltensweisen besitzen. Gleichzeitig braucht es die Fähigkeit, diesen offen und wertungsfrei zu begegnen, um ein verständnisvolles Klima zu schaffen.

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Die Ergebnisse: Welche Kompetenzen entwickeln Teilnehmende?

Die Auswertung zur Evaluation wurden als Studien veröffentlicht und zeigt deutlich, dass die Mediationsausbildung zentrale Schlüsselkompetenzen vermittelt, die für eine erfolgreiche Konfliktvermittlung erforderlich sind.

Die Mediationsausbildung in physischer Präsenz

Unsere Mediationsausbildung basiert auf praxisnahen Methoden, die eine direkte Anwendung der erlernten Inhalte ermöglichen. Die Studie belegt für den Zeitraum von 2015 bis 2019, dass sich die oben benannten Schlüsselkompetenzen durch die Ausbildung in physischer Präsenz weiterentwickeln konnten.

Hier geht es zur Studie.

Die Teilnehmenden verbesserten sich signifikant in allen Kompetenzbereichen. Besonders interessant war, dass der Kompetenzzuwachs nicht nur im beruflichen Umfeld, sondern auch im privaten Bereich spürbar war. Dies zeigt, wie wirkungsvoll eine Ausbildung zum_zur Mediator_in für die persönliche und berufliche Entwicklung sein kann.

Über qualitative Interviews wurde die quantitative Evaluation ergänzt. Hier fällt auf, dass alle Teilnehmenden eine positive persönliche Entwicklung schilderten. Besonders häufig genannt wurden eine Veränderung der eigenen Haltung, zum Beispiel hinsichtlich Ambiguitätstoleranz, Allparteilichkeit und Empathie, sowie Selbstreflexion und Kommunikationsfähigkeit. Diese Fähigkeiten sind nicht nur für den Beruf, sondern auch im Alltag wertvoll.

Online Mediation: Die Mediationsausbildung in virtueller Präsenz

Aufgrund der Entwicklungen während der Corona-Pandemie wurde die Mediationsausbildung am INeKO zunächst auf virtuelle Präsenzlehre umgestellt. Da die Evaluation der Ausbildung über die Pandemiezeit hinweg fortgeführt wurde, bot sich die einmalige Gelegenheit, auch die Online-Ausbildung bewerten und evaluieren zu lassen. Auch diese Studie wurde veröffentlicht.

Hier geht es zur Studie.

So wurde es möglich, zu vergleichen, ob sich hinsichtlich der Kompetenzentwicklung Unterschiede messen lassen, je nachdem, ob die Ausbildung in physischer oder virtueller Präsenzlehre durchgeführt wurde. Es lässt sich festhalten, dass Teilnehmende beider Lehrformate einen Zuwachs in allen Kompetenzbereichen aufweisen. Gleichzeitig waren die Effektstärken, also ein statistischer Marker für das Ausmaß eines Unterschieds, in der virtuellen Präsenzlehre noch höher ausgeprägt.

Auch hier ergänzt die qualitative Forschung die quantitativen Daten und erklärt das höhere Ausmaß. Die Teilnehmenden berichten in qualitativen Interviews, dass sie zusätzlich digitale Kompetenzen ausgebaut haben, unter anderem in verbesserter Online-Kommunikation.

Somit lässt sich resümieren, dass eine an die veränderten Bedingungen angepasste, interaktive und abwechslungsreiche Lehre auch in virtueller Präsenz eine hohe Kompetenzentwicklung ermöglicht. Darüber hinaus bietet das virtuelle Format zahlreiche Chancen, spezifische digitale Kompetenzen für die moderne Mediation zu erwerben.

Auch in der Rechtsverordnung ZMediatAusbV, welche die Ausbildungsanforderungen zum_zur zertifizierten Mediator_in gesetzlich regelt, sind Online-Mediation und Digitalkompetenzen seit 2024 als verpflichtende Inhalte benannt. Wenn Du hier mehr erfahren möchtest: In unserem Beitrag zu den gesetzlichen Vorgaben der Mediationsausbildung haben wir alles Wichtige für Dich zusammengefasst.

Deswegen und um die Teilnehmenden auf die Online-Mediation vorzubereiten, die am Markt durchaus eine erhebliche Nachfrage hat, ist die Ausbildung so aufgebaut, dass das Beste aus beiden Welten vereint wird: Ein Teil der Ausbildung findet weiterhin in virtueller Präsenz statt, der größere Teil in physischer Präsenz vor Ort im INeKO Institut.

Fazit_Mediationskompetenz_wird_messbar

Fazit: Mediationskompetenz wird messbar

Die Ergebnisse der Evaluation zeigen deutlich: In der Mediationsausbildung am INeKO werden genau die Schlüsselkompetenzen gestärkt, die für eine professionelle Konfliktvermittlung entscheidend sind. Dazu gehören Beratungsfähigkeit und Beziehungsmanagement ebenso wie Integrationsfähigkeit, Kommunikationsfähigkeit, Konfliktlösefähigkeit und Verständnisbereitschaft.

Die Teilnehmenden berichten nicht nur von signifikanten Kompetenzzuwächsen, sondern auch von einer veränderten Haltung, mehr Selbstreflexion und einer bewussteren, wertschätzenden Kommunikation. Diese Entwicklungen zeigen sich im beruflichen Kontext ebenso wie im privaten Alltag.

Ob in physischer Präsenz oder virtueller Präsenzlehre: Beide Formate führen zu einem deutlichen Kompetenzgewinn. Die online durchgeführte Ausbildung stärkt zusätzlich wichtige Digitalkompetenzen und zeigt in den Evaluationen sogar noch höhere Effektstärken.

Damit wird deutlich, dass eine wissenschaftlich begleitete, praxisorientierte und an moderne Rahmenbedingungen angepasste Ausbildung den Anspruch der Mediationspraxis einlösen kann: Konflikte nicht nur zu bearbeiten, sondern langfristig konstruktiv zu gestalten und Dich als angehende_n Mediator_in nachhaltig zu stärken.