Im Arbeitsalltag begegnest Du Mediator_innen heute in ganz unterschiedlichen Kontexten. Denn während sie zu Beginn der Mediationsbewegung in den 1980er Jahren in Deutschland vorwiegend im Bereich der Familienmediation, insbesondere im Bereich Trennung und Scheidung, anzutreffen waren, sind sie mittlerweile auch aus der organisationalen Zusammenarbeit, der Arbeitswelt und der freien Wirtschaft nicht mehr wegzudenken.

In diesem Beitrag schauen wir uns deshalb genauer an, welche Rolle Mediator_innen in solchen Konfliktsituationen übernehmen und was ihre Arbeit auszeichnet. Hierzu stellen wir Dir im weiteren Verlauf zunächst die Definition von Mediation sowie die Ziele der Mediation im Detail vor.

Im nächsten Schritt zeigen wir Dir, welche Kompetenzen und Kenntnisse Dir in einer Mediationsausbildung vermittelt werden und worauf Du bei der Wahl Deiner Ausbildung unbedingt achten solltest, damit Du bestens vorbereitet bist.

 

Kurz erklärt: Was ist ein_e Mediator_in?
Ein_e Mediator_in begleitet zwei oder mehr Konfliktparteien dabei, eigenverantwortlich eine einvernehmliche Lösung zu finden. Grundlage ist eine mediative Haltung, die auf Allparteilichkeit, Empathie und einer klar strukturierten Vorgehensweise beruht – ohne Ratschläge oder Urteile vorzugeben.

 

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Mediator: Definition und Aufgaben

Mediation bedeutet in ihrer kürzesten Zusammenfassung nichts anderes als die Vermittlung zwischen zwei oder mehreren Konfliktparteien zur einvernehmlichen Lösungsfindung eines Konfliktes. Die Grundsätze der Mediation stammen dabei aus den Lehren der humanistischen Psychologie nach Carl Rogers, der in seiner Persönlichkeitstheorie von einem konsequent ressourcenorientierten Menschenbild ausging. Zentral ist dabei unter anderem die Perspektive, dass jeder Mensch die optimalen Lösungen für eigene Konflikt- und Problemlagen bereits in sich trägt. Mehr dazu.

Folgerichtig ist die Aufgabe von Mediator_innen in Konfliktsituationen ausschließlich darauf ausgerichtet, die jeweiligen Konfliktparteien ressourcenaktivierend bei ihrem gemeinsamen Weg zur Konfliktbewältigung zu unterstützen und zu begleiten, nicht aber eigene Lösungen, Ratschläge oder gar Urteilssprüche zu präsentieren. Die Rolle von Mediator_innen ist somit vor allem von der Haltung der Allparteilichkeit geprägt.

An diesem Grundsatz orientieren sich nicht nur Methoden, Techniken und Vorgehensweisen der Mediation, sondern auch das Berufsbild von Mediator_innen sowie die mediative Haltung sind danach ausgerichtet.

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Mediation: Themen, Ablauf und Ziele

Die Themen der Mediation können stark variieren, da sich prinzipiell jeder zwischenmenschliche Konflikt für eine Mediation eignet. Das strukturelle Ziel einer Mediation bleibt bei den meisten Konflikten allerdings gleich: Den Konfliktparteien allparteilich Aufmerksamkeit schenken, Konfliktthemen herausarbeiten und zugrunde liegende Interessen oder Bedürfnisse ermitteln. Hieraus werden Lösungen entwickelt, die für alle Parteien tragfähig sind und am Ende zu einer Abschlussvereinbarung zusammengefasst werden können.

Dabei ist der Ablauf einer Mediation ein Verfahren, das einer klaren Struktur folgt und einen sicheren Rahmen bietet, auch komplexe Konfliktsituationen Schritt für Schritt zufriedenstellend zu lösen.

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Was lernt man in der Mediationsausbildung?

Eine fundierte Mediationsausbildung, die ein möglichst breites Spektrum an methodischen Angeboten und Kompetenzen zur Begleitung individueller Konfliktsituationen vermittelt, ist für angehende Mediator_innen demnach eine wichtige Voraussetzung, um erfolgreiche Mediationen anbieten zu können.

Mediation Grundlagen: Die zentralen Kompetenzen eines Mediators

  1. Empathie: Um als Vermittler_in auf einer echten Vertrauensbasis hilfreich wirken zu können, bedarf es der Fähigkeit, sich in unterschiedlichste Persönlichkeiten hineinzuversetzen und empathisch sowie wertungsfrei auf Menschen im Konflikt einzugehen, um auf diese Weise ein verständnisvolles Klima zu schaffen. Nur wer sich in unterschiedliche Perspektiven, Bedürfnisse und Motive hineinversetzen kann, wird imstande sein, zu einem zielorientierten Zusammenführen der unterschiedlichen Bestrebungen, Interessen und Handlungen erfolgreich beizutragen.
  2. Strukturierung des Mediationsprozesses: Ein Mediationsprozess folgt einem sehr strukturierten Vorgehen, welches in einer Konfliktdynamik von besonderer Bedeutung ist: Ein Konflikt geht mit Verunsicherung und Stress einher – wenn Mediator_innen nun den Prozess der Bearbeitung des Konfliktes empathisch (siehe 1.), gleichzeitig selbstsicher, klar und strukturiert gestalten, erzeugt dies Ruhe und Sicherheit, reduziert Stress und hilft, wieder in eine konstruktive, lösungsorientierte Perspektive einsteigen zu können.
  3. Strukturierung der Inhalte der Konfliktparteien: Zu den Grundlagen der Mediation zählen außerdem die kommunikativen Kompetenzen. Mediator_innen müssen in der Lage sein, Inhalte der Konfliktparteien durch aktives Zuhören aufzugreifen, schnell erkennen zu können, wenn ein Themenwechsel stattfindet oder ein neuer Punkt eingebracht wird, um so auch auf der inhaltlichen Ebene zu strukturieren.

Anhand von sechs in einem Kompetenzmodell definierten Schlüsselkompetenzen werden unsere Ausbildungen auch wissenschaftlich evaluiert.

Du möchtest hierzu mehr erfahren? Dann solltest Du jetzt weiterlesen.

Mediationsausbildung_Worauf_Du_achten_solltest

Mediationsausbildung: Worauf Du achten solltest!

Nachdem wir den Grundprinzipien der Mediation mithilfe definierter Kompetenzen von Mediator_innen nun etwas nähergekommen sind, lohnt es sich noch, einen genaueren Blick auf die Mediationsausbildung zu werfen.

So ist die Bezeichnung „Zertifizierter Mediator“ durch § 5 Abs. 2 MediationsG inzwischen geschützt. Wer sich also als zertifizierte_r Mediator_in betitelt, verweist damit auf klar in der Rechtsverordnung (ZMediatAusbV) definierte und absolvierte Ausbildungsinhalte der eigenen Ausbildung hin.

Neben einer Ausbildung, die auf die Zertifizierung gemäß Mediationsgesetz vorbereitet, sollte eine Mediationsausbildung auch die Grundlage für die Lizenzierung bei einem der großen Mediationsverbände bieten, denn beides – die Zertifizierung und Lizenzierung – sind Qualitätsmerkmale, die Konfliktparteien bei der Auswahl von Mediator_innen beachten sollten.

 

Unser Tipp: Informiere Dich unbedingt darüber, ob Deine Ausbildung einem anerkannten Verbands-Standard entspricht und ob das transparent kommuniziert wird. Wird der gesetzliche Status nicht klar aufgeführt, raten wir zur Vorsicht.

 

Fazit_Mediation_verstehen_Ausbildung_bewusst_wählen

Fazit – Mediation verstehen, Ausbildung bewusst wählen

Mediation bedeutet weit mehr als „Streit schlichten“: Als Mediator_in begleitest Du Konfliktparteien allparteilich dabei, eigene Lösungen zu entwickeln – auf Basis von Empathie, Klarheit und einer strukturierten Vorgehensweise. Eine mediative Haltung, die auf den Ideen der humanistischen Psychologie aufbaut, verbindet dabei Ressourcenorientierung, Verständnis für unterschiedliche Perspektiven und die Fähigkeit, auch in emotional aufgeladenen Situationen einen sicheren Rahmen zu schaffen.

Gerade weil diese Rolle so anspruchsvoll ist, sollte die Wahl Deiner Mediationsausbildung gut überlegt sein. Achte darauf, dass sie Dich sowohl fachlich als auch rechtlich solide aufstellt: Eine Ausbildung, die auf die Zertifizierung nach Mediationsgesetz vorbereitet und zugleich die Voraussetzungen für eine Lizenzierung bei anerkannten Mediationsverbänden schafft, ist ein starkes Qualitätsmerkmal. Wenn gesetzlicher Status und Verbandsstandard transparent kommuniziert werden, kannst Du sicher sein, dass Deine Ausbildung Dich wirklich darauf vorbereitet, als Mediator_in professionell, verantwortungsvoll und wirksam tätig zu werden.