Die Selbstbestimmungstheorie (SDT) von Deci & Ryan ist eine Motivationstheorie, die dem Menschen die grundlegende Tendenz sich in Richtung Wachstum und Wohlbefinden zu bewegen, zuschreibt. Die zentrale Voraussetzung für dieses Wohlbefinden ist die Befriedigung dreier universeller, psychologischer Grundbedürfnisse: Kompetenz, Autonomie und soziale Verbundenheit. Diese Grundbedürfnisse steuern das Erleben und Verhalten der Menschen und beeinflussen emotionale Empfindungen.
- Das Bedürfnis nach Kompetenz meint das Bedürfnis, sich bei der Bewältigung wichtiger Aufgaben und Anforderungen fähig zu fühlen.
- Das Bedürfnis nach Autonomie beschreibt das Bedürfnis, das eigene Verhalten als selbstbestimmt zu erleben.
- Das Bedürfnis nach sozialer Verbundenheit meint das Bedürfnis sich mit anderen verbunden zu fühlen, Andere zu umsorgen und selbst umsorgt zu werden.
Motivation kann laut SDT sowohl intrinsisch (selbstbestimmt) als auch extrinsisch (fremdbestimmt) begründet sein. Liegt intrinsische Motivation vor, so wird eine Handlung aufgrund ihrer Selbst Willen, also weil die Handlung an sich interessant ist, ausgeführt. Hierbei ist das Handlungsziel im Individuum dispositionell verankert. Intrinsisch motivierte Handlungen werden als selbstbestimmt erlebt und erfüllen vor allem das psychologische Grundbedürfnis nach Autonomie.
Demgegenüber liegt extrinsische Motivation vor, wenn eine Handlung aufgrund eines instrumentellen Nutzens ausgeführt wird. Deci und Ryan separieren explizit vier Stufen der extrinsischen Motivation, die sich hinsichtlich der erlebten Selbst- /Fremdbestimmung (Autonomie) und dem Grade der Verinnerlichung (Integration der Ziele/Kompetenzen in das individuelle Selbst) unterscheiden. Die vier Stufen sind:
- Externale Regulation (external) à Fremdbestimmte Form der Motivation, da das Verhalten auf externen Belohnungen oder Bestrafungen basiert. Typisch für externale Regulation ist eine geringe Ausdauer bei der Ausübung des Verhaltens.
- Introjektion (etwas external) à Eher fremdbestimmte Form der Motivation, da das Verhalten auf Anerkennung von einem Selbst und Anderen basiert. Zentral sind hierbei Sorgen um den Selbstwert oder Gewissenskonflikte, die in einem inneren Zwang das Verhalten auszuführen, resultieren.
- Identifikation (etwas internal)à Eher selbstbestimmte Form der Motivation, da das Individuum die Wichtigkeit, sowie den Wert eines Ziels/einer Handlung erkennt, ins Selbst integriert hat und sich basierend darauf verhält.
- Integration (internal) à Selbstbestimmteste Form der extrinsischen Motivation, da das Individuum vorher externale Ziele oder Handlungen ins Selbstkonzept integriert und sie kongruent mit weiteren individuellen Bedürfnissen, Erfahrungen und Zielen erlebt.
Verhalten ist häufig durch eine Kombination der Motivationsstufen geprägt. Eine Internalisierung der Ziele und Handlungen in das Selbst resultiert laut Deci und Ryan in dem Gefühl selbstbestimmt (autonom) zu handeln.
Vergleiche Literatur:
Deci, E. L., & Ryan, R. M. (2013). Intrinsic motivation and self-determination in human behavior. Springer Science & Business Media.
Seidel, T., & Krapp, A. (2014). Pädagogische Psychologie (6. Aufl.). Beltz Verlagsgruppe.
Ryan, R. M., Ryan, W. S., Di Domenico, S. I., & Deci, E. L. (2019). The nature and the conditions of human autonomy and flourishing: Self-determination theory and basic psychological needs. In R. M. Ryan (Ed.), The Oxford handbook of human motivation (2nd ed.). Oxford University Press.